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Recker Studentin Kerstin Ostendorf verfasst Bachelorarbeit über das Leben der seligen Schwester Maria-Euthymia

Kerstin Ostendorf (23) aus Recke engagiert sich seit ihrem 14. Lebensjahr im kirchlichen Bereich. Und das macht ihr Freude. In ihrer Pfarrgemeinde St. Dionysius Recke ist sie tätig in der katholischen Bücherei, unterstützt bei der Firmvorbereitung und in den Gottesdiensten ist sie als Lektorin aktiv.

Das mag den Ausschlag gegeben haben bei der Wahl ihres Studiums. Nachdem die junge Frau 2007 ihr Abitur am Fürstenberg-Gymnasium erfolgreich abgeschlossen hatte, begann sie mit dem Studium der Germanistik und der Katholischen Theologie an der Universität Osnabrück. Vor allem interessiert ist Kerstin an der Kirchengeschichte. Das ist für sie etwas „Handfestes“. Die Fachrichtungen Ethik und Exegese sind für sie eher von sekundärem Interesse.

Als vor einigen Jahren die katholische Pfarrkirche St. Dionysius in Recke renoviert wurde, und auch einige Reliquien der seligen Schwester Maria-Euthymia im neuen Altar eingebracht wurden, weckte dies das besondere Interesse von Kerstin Ostendorf. „Wer war eigentlich diese Maria-Euthymia? Und warum wurde sie selig gesprochen?“ – Im Grunde ging es Kerstin wie vielen jungen Menschen: Das Leben und Wirken der Maria-Euthymia ist vielen unbekannt, wie auch die Frau selbst, die im bürgerlichen Leben Emma Üffing hieß.

Grund genug für Kerstin ihre bevorstehende Bachelorarbeit daraufhin auszurichten. Die Themenwahl gefiel auch ihrem Professor Dr. Manfred Eder, ordentlicher Professor für Kirchengeschichte am Institut für katholische Theologie der Universität Osnabrück.

Bei der Bachelorarbeit handelt es sich um eine schriftliche wissenschaftliche Ausarbeitung, die Studenten meist zum Ende ihres fünften Semesters nach entsprechender Zulassung in einer vorgegebenen Zeit selbständig ausfertigen müssen. Ziel dieser Hochschulprüfung ist die Erlangung eines Bachelorgrades. In Kerstins Fall der des „Bachelor of Arts“.

Die sinnvollste Vorgehensweise bei ihrer Bachelorarbeit schien Kerstin erst einmal das Leben der Emma Üffing von der Kindheit bis zu ihrem Tod zu beschreiben. Dazu recherchierte sie tage- und nächtelang im Internet und las insgesamt zwölf Bücher über Schwester Maria-Euthymia und über die Arbeit der Clemens-Schwestern in Münster. Dabei stellte sie fest, dass das Thema schon recht gut erschlossen war, aber gerade in der Literatur leider auch vieles über ihre Lebensstationen wiederholt dargelegt wurde. Um aber ein möglichst objektives Bild der seligen Schwester aufzeichnen zu können, entschloss sich Kerstin Aussagen und Zitate von Zeitzeugen aufzugreifen. Zu diesen Wegbegleitern Maria-Euthymias zählten deren ehemalige Mitschülerin Anna Theissen aus Halverde und der französische Kriegsgefangene Emile Eche. Deren persönliche Erfahrungen einzubeziehen war eine gute Entscheidung, denn durch die Aussagen der Beiden erlangte Kerstin eine konkretere Sichtweise auf das Leben und die Arbeit von Schwester Maria-Euthymia.

Im Resümee gewinnt Kerstin Ostendorf durch ihre Recherchen sogar ein zwiespältiges Bild von der seligen Schwester. „Ich bekam regelrecht eine Gänsehaut, als ich all die Details aus ihrem Leben erfuhr“, erinnert sich Kerstin. Maria-Euthymia wird von der Studentin hinsichtlich ihrer Entbehrungen bewundert, und auch dafür, dass sie nie Wiederworte gegeben hat, nie aufgegeben hat und stets in allem zurücksteckte. Zum anderen sieht sie Maria-Euthymia sehr weit weg von heute. „Ich bin bestimmt keine Feministin oder eingefleischte Frauenrechtlerin“, beteuert Kerstin, „aber dennoch stellt sich das Leben von Euthymia aus heutiger, emanzipierter Sicht sehr fremd für uns dar.“ Wie auch Emile Eche entsetzt war, dass Maria-Euthymia die Arbeit in der Wäscherei angenommen hat, obwohl sie ausgebildete Krankenschwester war.

Um das zu ergründen setzte Kerstin sich mit der Spiritualität von Maria-Euthmia auseinander. Diese beschreibt der Autor Hermann Bücker in seinem Buch über die Clemens-Schwestern sehr gut. Dort, und in anderen Werken, wird Maria-Euthymia oft fast als Heilige dargestellt. Ihr Credo: „Der Herr soll mich brauchen, ein Sonnenstrahl zu sein, der alle Tage leuchtet.“

Recherchiert hat Kerstin Ostendorf auch die Gründe die letztlich zur Seligsprechung führten. Ausschlaggebend sei zwar die wundersame Heilung der Schwester Avelline Koenen gewesen, aber Kerstin erfährt von noch weiteren Gebetserhörungen. Die Selige Schwester Maria-Euthymia wird zur Fürbitterin zu Gott.

Kerstins Bachelorarbeit ist eine 70-seitige Abhandlung in der ein authentisches Abbild der Maria Emma Üffing und deren „Leben und Spiritualität“ widergespiegelt wird. Kerstin Fazit: „Maria-Euthymia war eine unscheinbare Frau, wie auch ihr ganzes Leben. Und dennoch hat sie große und sichtbare Spuren hinterlassen. – Das zeigt uns: Es lohnt sich hinter die Fassade eines Menschen zu blicken.“

Derzeit bereitet sich Kerstin Ostendorf auf ihre Masterarbeit vor. Darin befasst sie sich mit Themen der Moraltheologie und bioethischer Fragen. Ihr Berufsziel ist es Redakteurin zu werden.

Autor: Manfred Hagemann