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Entstehung
Die Doppelmühlenanlage in Halverde, bestehend aus einer Öl- und einer
Kornmühle, stellt noch eine der wenigen im Kreis Steinfurt erhaltenen
wasserbetriebenen Doppelmühlen dar, die ursprünglich für Westfalen so
typisch waren.
Die Anlage steht in der Hoflage des ehemaligen Colonats Wichmann. Der
Hofname lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Die neue
Bezeichnung Overmeyer entstand erst vor vier Generationen durch Einheirat.
Das genaue Alter der Mühle ist bis heute unbekannt. Erste Unterlagen zur
Doppelmühlenanlge und zu den Staurechten reichen bis 1720. Ein erster
Hinweis auf eine Wichmannche Mühle findet sich unter dem 4. September 1752
in einer Eingabe des Königlichen eigenbehörigen Colonen Albert Wichmann
an die Mindensche Kriegs- und Domänenkammer. Die Rede ist vom Kauf einer
angepachteten Mühle.
Der Nachweis, dass es sich um die heutige Mühlenanlage handelt, konnte
bisher nicht geführt werden. Genauere Auskunft über die Halverde Mühle
gibt erstmals der Mühlenbericht der Rentei von 1826. Halverde wird dort
als Bauort einer Mühle erwähnt. Danach kann der Bau der Mühlenanlage oder
wenigstens eines Teiles für die Zeit zwischen 1806 und 1826 angenommen
werden.
Bestätigung findet diese Annahme dadurch, dass die Halverde zwischen 1749
und 1800 als Mahlgenossen der Hammermühle in Recke geführt wurden. Ein
weiterer Hinweis auf die Einrichtung einer Getreidemühle in Halverde
findet sich in der Aussage des Hammermüllers aus Recke aus dem Jahre 1809,
dass im Bannbezirk eine neue Mühle - die des Colonen Wichmann zu Halverde -
angelegt worden ist.
Ansicht der Doppelmühlenanlage auf dem Hof Overmeyer in Halverde von
der Hofeinfahrt aus. Links die Ölmühle und rechts die Kornmühle.
Ansicht der Mühlenanlage von hinten. Das Gebäude mit dem Wasserrad ist
die Ölmühle. Das andere Gebäude ist die Kornmühle.
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Restauration
Die Ölmühle wurde bis 1924 betrieben. Die Kornmühle bestand bis 1955 als
Kundenmühle. Dann mahlte man bis 1970 nur noch für den Eigenbedarf. Seitdem
ruhte der Mühlenbetrieb.
Erste Überlegungen zur Instandsetzung der ehemals wassergetriebenen Ölmühle
gab es 1977. 1980 wurde mit der Erneuerung des Fachwerks und des Daches
begonnen. 1981 erhielt die Wassermühle wieder ein unterschlächtiges Wasserrad.
Die Arbeiten am kleinen Mühlengebäude und im Umfeld fanden 1988 ihren Abschluss
mit der Erneuerung der Holzbrücken. Höhepunkt der Restaurierung war im August
1988 die Reaktivierung der hölzernen Mechanik.
Die Sanierung der Kornmühle hatte man auch schon 1988 ins Auge gefasst. Aber
erst 2001 konnte diese endlich beginnen. Im Turbinenkeller wurde eine Betonwanne
eingebaut. Weiter folgte der Einbau einer neuen Schachtturbine und eines Wehrs.
Nach der Erneuerung des Fußbodens konnte endlich die Überarbeitung des Mahlwerks
durchgeführt werden.
Seit Pfingsten 2002 sind die Korn- und Ölmühle wieder betriebsfertig und lassen
ein früheres Handwerk erneut lebendig werden.
Die Doppelmühlenanlage in Halverde wurde zwischen 1980 und 2002 restauriert und
wieder in einen betriebsfähigen Zustand gebracht.
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Kornmühle
Auch die Kornmühle, gleichzeitig mit der Ölmühle in einem zweiten Fachwerkgebäude
eingerichtet, war zunächst nur mit einem Mahlgang ausgestattet und wurde ebenfalls
durch ein Wasserrad angetrieben. 1928 baute man nördlich des Backsteingebäude an
und richtete einen zweiten Mahlgang ein.
Die Kornmühle wurde als Kundenmüllerei betrieben. Als Arbeitslohn erhielt der Müller
Bargeld oder es wurde gemultert, dass heißt der Müller erhielt als Entgelt einen
Teil des Korns.
Schon 1910 hatte der Colon Anton Overmeyer genannt Wichmann das Wasserrad der Kornmühle
durch eine Francis-Turbine ersetzen lassen. Seitdem wurde die Mühle über
Transmissionsriemen angetrieben. Auch setzte man seit 1928 in trockenen Sommern, wenn
die Aa nicht ausreichend Wasser führte, eine Dampfmaschine ein, die 1935 durch einen
Petroleummotor ausgetauscht wurde. Nachdem 1938 die öffentliche Stromversorgung
erfolgte, wurde dieser durch einen 15 PS starken Motor ersetzt.
Ab 1938 ging die Kundenmüllerei stark zurück, da mittlerweile durch die Stromversorgung
viele Bauern eigene kleinere Mühlen betreiben konnten. Es wurde allerdings immer noch
viel Feinmehl, das zum Brotbacken benötigt wurde, gemahlen.
In beiden Weltkriegen gab es Mahlkarten. Damit konnte jeder eine genau vorgeschriebene
Menge Korn mahlen lassen. Das restliche Getreide mußte abgeliefert werden. Da die
Rationen knapp bemessen waren, wurde in vielen Fällen oft nachts "schwarz" gemahlen,
was für den Müller nicht ungefährlich war.
Dieser Teil der Doppelmühlenanlage beinhaltet die Kornmühle.
Die Skizze zeigt einen Längsschnitt durch die Kornmühle
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Ölmühle
Die Mechanik der Ölmühle blieb unverändert erhalten und entspricht dem Stand
der Technik von der Mitte des 19. Jahrhunderts. In Halverde beginnt das
Ölschlagen im Kollergang - einem aus drei Mühlensteinen bestehenden Quetschwerk.
Der Rohstoff - Raps und Rübsamen, Lein- und Mohnsamen, Bucheckern und
Sonnenblumenkerne - wird auf dem sogenannten "Heerd", einem liegenden Mühlstein,
geschüttet.
Er dient hauptsächlich als Arbeitsfläche, aber auch als Lager für eine
stehende Welle, die im Zusammenwirken mit dem "Rahm" die beiden Laufsteine im
Kreis herumführt. Durch die Anstreicher wird das eingeschüttete Mahlgut immer
wieder in die Laufrichtung der Kollersteine zurückgeschoben.
Ist es ausreichend zerquetscht, werden die "Abstreicher" herabgelassen, die das
Mahlgut aus der Laufrichtung der Steine auf die hölzerne Einfassung des Heerds
herausstreichen. Durch den geöffneten Schieber fällt der zerquetsche Samen in
bereitgestellte Gefäße.
Im nächsten Arbeitsgang wird er auf den Wärmofen geschafft und dort erwärmt. Die
erwärmte Masse wird danach in das "Haar" gelegt, zwei mit Leder gepolsterte
Bretter, die zusammengeklappt werden. Das Auspressen des Öls geschieht in einem
größeren hölzernen Block, der Presse oder Öllade, durch sogenanntes Rammzeug.
In einem starken Block, auf welchem zugleich das Rammgerüst steht, befindet sich
eine Grube, welche an den Enden auf den drei festen Seiten mit sogenannten
Press- oder Futterblechen ausgeschlagen ist. Die vierte offene Seite wird dagegen
durch die Jager geschlossen, nachdem der erwärmte Samen im sogenannten Haar
dazwischen eingebracht ist.
Auf diesen wirkt der Treibekeil mittels der Jager und der sogenannten Kissen ein
und treibt so beide Pressen gleichzeitig zusammen. Der Jager, auch Schlagmeißel oder
-keil genannt, drückt unter Einfluss der Ramme die Treibkissen nach außen. Dabei
wird das Öl aus der erwärmten Masse herausgepresst. Je tiefer der Keil einschlägt,
desto höher wird der Druck auf die Treiber.
Während des Rammens fließt das Öl in die darunter stehenden Ölpfannen. Nach etwa
50 bis 80 Schlägen ist die Masse genügend ausgepresst. Ein aus den Rückständen
verdichteter Ölkuchen bleibt zurück. Zwecks besserer Ausnutzung der Ölsaat werden
sie zerbrochen und die Stücke unter den Steinen zerrieben. Bei mehrfacher
Wiederholung des Vorgangs ist es möglich, die ausgepressten Kuchen bis zu Leinmehl
zu vermahlen. Das gewonnene Öl wird gesiebt und anschließend kühl gelagert.
Mit dieser Mechanik wurde der Rohstoff in der Ölmühle gequetscht.
Die rechte Abbildung zeigt einen Ofen aus Stein, mit dem die gequetschte
Masse erwärmt wird.
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Besichtigung
Gruppen können nach vorheriger Anmeldung die Mühlen gerne besichtigen.
Sie können dabei wählen zwischen einer einfachen Vorführung und einer
kompletten Vorführung mit Ölschlagen.
Bei einer kompletten Vorführung wird, wie in alten Zeiten aus einer
Portion Raps ca. 1ltr Öl gewonnen. Dazu erklären wir Ihnen die Technik
und informieren Sie über die Geschichte der Mühle.
Die einfache Führung beinhaltet ebenfalls Demonstration und Information
über die Technik und Geschichte der Mühle, jedoch keine Verarbeitung von
Raps zu Öl. Die Kornmühle wird jeweils mit demonstriert.
Nach Vereinbarung können Sie auch in der Kornmühle Kaffee trinken
oder auf dem Mühlengelände grillen.
Besichtungstermine und weitere Informationen:
Hubert Overmeyer
Osterbauer 3
48496 Hopsten-Halverde
Telefon: 05457 / 96060
E-Mail:
muehle@halverde.de
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